Warum Männercoaching Leben, Ehen und Familien verändert. Nachgefragt bei Marco Ehrat
Marco, du sagst: Viele Männer sind nach außen stark – und innerlich trotzdem leer.
Was beobachtest du in deinem Coaching-Alltag?
Viele Männer funktionieren nur noch.
Job, Termine, Verantwortung – alles wird getragen, aber oft ohne inneren Kontakt zu sich selbst. Nach außen stehen sie stabil, doch innen wächst die Leere. Dieses Spannungsfeld kenne ich gut. Männer verlieren die Verbindung zur Partnerin, zu den Kindern und irgendwann auch zu ihrem eigenen Herzen.
Wie hast du persönlich diesen Widerspruch erlebt?
Aus meiner Kindheit habe ich meinen Familiensatz mitgenommen: „Beiß die Zähne zusammen, es wird schon wieder“. Ich wollte es allen recht machen. Als Vater, Ehemann, Christ. Nach außen korrekt, innen müde und überfordert. Diese Leere habe ich lange ignoriert und versucht, sie mit Dingen zu füllen, die mir, meiner Ehe und meiner Familie geschadet haben.
Gab es einen Moment, an dem dir klar wurde: So geht es nicht weiter?
Kurz vor meinem 40. Geburtstag. Da begriff ich: Wenn ich so weitermache, verliere ich meine Frau und meine Familie. Wir saßen am Tisch, und ich legte alles offen. Es tat weh. Aber genau dort wurde mir klar: Ich habe meine 50 Prozent Verantwortung in unserer Beziehung nicht getragen. Dieser Moment war schmerzhaft – aber er wurde zu meinem Wendepunkt.
Wie sah dieser Weg konkret aus?
Wir suchten Hilfe in einer Eheberatung. Ich ging zudem in ein 1:1 Coaching. Von Mann zu Mann, ehrlich und direkt. Ich begann auszusprechen, was ich jahrelang verdrängt hatte: Scham, die Angst nicht zu genügen, Überforderung. Schritt für Schritt lernte ich, meine Muster zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen – nicht theoretisch, sondern im Alltag: Ich lernte zuzuhören, zu reden und konnte dadurch anders handeln.
Du sprichst von „meinen 50 Prozent“ in einer Beziehung. Was willst du damit sagen?
Beziehung besteht immer aus zwei Menschen. Ich kann nur meinen Teil verantworten und anschauen: meine Gedanken, meine Entscheidungen, mein Verhalten. Wenn ein Mann seine 50 Prozent übernimmt, verändert sich die Dynamik der ganzen Beziehung: Vertrauen wächst, Nähe wird möglich, Verbindung entsteht.
Du hast dich anschließend umfassend ausbilden lassen. Warum?
Ich wollte verstehen, was da in mir passiert. Ich habe gelernt, meine Prägungen zu erkennen und meine Stärken bewusst wahrzunehmen. Später kamen Ausbildungen bei der Christlichen Männerinitiative CMI und zum Diplom Coach SCA dazu.
Was passiert im Männercoaching ganz praktisch?
Wir schauen die eigene Geschichte an: Herkunft, Männerbilder, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Prägungen und Verletzungen. Es geht darum, Gefühle einzuordnen, statt sie wegzudrücken, Beziehungen zu reflektieren, statt sie einfach auszusitzen, Verantwortung zu übernehmen – für die Gedanken im Kopf genauso wie für Worte und Handlungen im Alltag. Der Nutzen ist spürbar: klarere Rolle als Vater, Ehemann und Mann, weniger Konflikte, stärkere Bindungen, Kinder bekommen Orientierung, ein Vorbild.
Ist Männercoaching nicht ein Eingeständnis von Schwäche?
Nein. Im Gegenteil. Schwäche ist, wenn ich davonlaufe. Stärke ist, wenn ich hinschaue. Männercoaching ist gelebte Verantwortung. Wer an sich arbeitet, investiert in die eigene Zukunft – und in die Zukunft seiner Familie. Gott hat mich genau dort geformt, wo mein Leben gebrannt hat.
Interview durch Rüdiger Jope
Rüdiger Jope ist Chef-Redakteur des Männermagazins MOVO.




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